Mitte 18. bis Ende 19. Jahrhundert

Mitte des 18. bis Ende des 19. Jahrhunderts

Einwohner Wittgensdorf

Mit dem Übergang vom 17. zum 18. Jahrhundert begann sich nach dem 30jährigen Krieg (1618 – 1648) auch das Leben in Sachsen langsam zu erholen. Den bedeutendsten Impuls zu dieser Entwicklung gab hierzu Herr Johann Georg Esche (geb. 02.05.1682 in Köthensdorf bei Taura; gest. 30.01.1752 in Limbach), welcher mit der Entwicklung eines Handwirkstuhles die Grundlagen der Strumpfwirkerei in Sachsen schuf. Auch unser Heimatdorf konnte von dieser Entwicklung profitieren was sich an der wachsenden Zahl der Einwohner zeigte. Das nachstehende Diagramm dieser Entwicklung verdeutlicht diese rasante Steigerung.

1758 meldete die 1750 gegründete Peniger Strumpfwirkerinnung 34 Strumpfwirker aus Wittgensdorf und Murschnitz als Innungsmitglieder. Wittgensdorf hatte mehrere Lehrmeister. Die Gesellen mussten nach Penig zur Prüfung.

1769 erschien in Sachsen das "Landschulreglement für die Durchführung der allgemeinen Schulpflicht".

Mordgrund

1800 Begann ein Bauer im "Mordgrund" (vgl. hierzu Kapitel Hoch- und Spätmittelalter) Torf zu stechen und als Ersatz für die teuren Kohlen zu verkaufen. Solche Torfvorkommen lagen zwischen Herrenhaide und Taura. Sie wurden vollständig genutzt. Quelle: Meilenblätter von Sachsen, 1791, Blatt 153 — 1800 hatte Wittgensdorf 1.100 Einwohner.

1825 war die Einwohnerzahl auf 1.780 Einwohner gewachsen.

1826 wird Wittgensdorf als großes, volkreiches Fabrikdorf bezeichnet.

1839 erster Gemeinderat wird gewählt.

Ackermann 1842

1846 wird das Grundstück Rathausplatz 1 zum Neubau eines Schulgebäudes käuflich erworben. Bereits 1837 wurde ein Raum in einem Strumpfwirkerhäuschen am selben Standort als "zweites Lokal" für Unterrichtszwecke angemietet. Hierzu schreibt Pfarrer Ackermann in "Sachsens Kirchen-Galerie, Das Kirchendorf Wittgensdorf" von 1942 bereits folgende Zeilen:

Dieses Vorhaben wurde aber erst im Jahr 1866 mit dem Neubau des neuen Schulgebäudes (4 Schulstuben und eine Lehrerwohnung) realisiert. Es entsprach aber schon bei seiner Einweihung nicht den eben erlassenen Schulhygienegesetzen und wurde nur übergangsweise zugelassen.

1856 Rittergutsherr Albanus verliert den Gutsherrentitel und damit die Verfügungsgewalt über das Dorf.

1864 Errichtung der Postexpedition auf dem Grundstück Rathausplatz 3.

Schule 1866

1866 Übernahme des neu erbauten Schulhauses, Rathausplatz 1.

Viadukt 1872
HP Wittgensdorf-Mitte

1869 begannen im Frühjahr mit den Arbeiten an der Strecke Kieritzsch – Chemnitz. Bei Göhren, Burgstädt und Chemnitz war die Erstellung mehrerer großer Viadukte notwendig. Am 8. April 1872 wurde der Betrieb auf der neuen Strecke eröffnet. Eröffnet wurde sie gemeinsam mit den Zweigbahnen nach Penig und Rochlitz. Die städtische Bahn Kieritzsch–Borna war bereits am 1. Oktober 1870 in Staatsbesitz übergegangen, so dass nun eine durchgehende Staatsbahn zwischen Leipzig und Chemnitz bestand. Bahrmühlenviadukt — Haltepunkt Wittgensdorf-Mitte in einer Fotomontage mit dem Luftschiff Viktoria-Luise. In der Bildmitte im Hintergrund ist der Bismarckturm von Chemnitz-Borna zu erkennen.

B.44 Detaill.
Wittgensdorf Oberer, EG

Block 44 an der Röhrsdorfer Straße im "Hausteins Wäldchen" — Empfangsgebäude Wittgensdorf Oberer Bahnhof

Gnaud

1870 Wittgensdorf hat 3.500 Einwohner. Die Handschuhindustrie stellt einen wichtigen Teil der Textilbranche in Wittgensdorf dar. Besonders ist hier die Fa. Gnaud in Mittelwittgensdorf zu nennen. In die Produktionsräume der Firma zieht nach 1945 die Betriebsberufsschule des VEB Trikotex ein. Blick in einen Betriebsraum der Fa. Gnaud.

Brauerei Wittgensdorf

1872 An der Burgstädter Straße 5 entsteht eine Brauerei. Burgstädter Straße, Blick zum Gebäude der Brauerei, später als öffentliches Bad genutzt. Heute Nutzung durch die Volkssolidarität Chemnitz.

1874 Die Eisenbahnstrecke Wittgensdorf – Limbach wird bis Oberfrohna gebaut. Durch eine Einbindung am Bahnhof Kändler wird die Strecke über Rabenstein – Grüna bei Wüstenbrand an die Strecke Dresden – Werdau und an die Kohlenbahn Oelsnitz – Lugau – Wüstenbrand angeschlossen. Diese Verbindung sollte ursprünglich in Fortsetzung der Strecke ab Oberfrohna bei Wolkenburg in die Muldentalbahn Glauchau – Rochlitz münden und bei Großbothen den Raum Leipzig erreichen. Dieses Vorhaben wurde aber niemals realisiert.

1875 Das königliche Standesamt zu Wittgensdorf wird im Rathaus eingerichtet.

1882 Gründung des Vereins „Zur letzten Ruhe". Amtsblatt für den Gemeindebezirk Wittgensdorf erscheint.

Postamt

1888 Bau des kaiserlichen Postamtes.

Schule

1889 wird die Zentralschule bezogen.

Die Gemeindeverwaltung mietet die obere Etage der bisherigen Schule, Rathausplatz 1. Im Erdgeschoß befindet sich der "Ratskeller".

Rathausplatz 5