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Freibad

erschienen in: Heft 2/2017

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Wie aus den Akten unserer Ortsgeschichte he vorgeht, bestanden der Wunsch und der Plan zum Bau
Gedanken, ein Freibad zu bauen.
Grundstücken aus dem Besitz des Textilherstellers. Ein Auszug aus dem „Wittgensdorfer
entlang des Schulgartens/ Schulhofes gekauft werden, auf we chem die Errichtung eines großen
öffentlichen Spielplatzes angedacht war. Des we teren erwog die Gemeinde den Erwerb des
Häberle-Teiches mit dazugehöriger Wiese. Den Teich wollte man vom Schlamm befreien und als
eines Freibades in Wittgensdorf bereits 1923.
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Arbeitersportler befassten sich schon damals mit dem
1924 verhandelte die Gemeinde mit dem Fabrikanten Reinhold Häberle über den Erwerb von
Wochenblatt“ von 1924 belegt diese Aktivitäten.
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So sollte ein
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Grundstück aus dem Häberle- Besitz
Badeteich nutzen. Leider wird die exakte Lage des Teiches in dem Schriftstück nicht erwähnt. Wir
vermuten, dass es sich um den Teich in der Bahr handelte (etwa Ortslage unseres heutigen
Freibades).
insgesamt 62 Wohnungen bauen ließ (heutige Clara-Zetkin Straße und Bahrs raße).
Zerstörung und die Sorge um die Bewältigung des Alltages viele Jahre lang das Leben unserer
Reinhold Häberle besaß hier größere Flächen, auf denen er
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für seine Arbeiter
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18 Häuser mit
Keiner dieser Pläne wurde verwirklicht. Immer fehlte es an Geld. Später dominierten Krieg,
Dorfbewohner. Die Mütter wussten nicht, wie sie ihre Kinder satt bekommen sollten und womit sie
im Winter die Wohnung ein wenig heizen konnten.
den Beschluss zur Bildung der „Kommission Freibad-Bau“. Die Einwohner ihrerseits wollten zum
Bau des Bades beitragen und legten die Verpflichtung ab, die notwendigen Arbeiten m Rahmen des
1958 griff man dann den Gedanken des Freibad-Baus wieder auf. Die Gemeindevertretung fasste
„Nationalen Aufbauwerkes“ (NAW), also kostenlos in ihrer Freizeit zu leisten. Viele
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gemeinnützige
Projekte wurden in diesen Jahren der noch jungen DDR so realisiert.
Die Kommission unter Leitung von Herrn Gerhard Riemann wählte als Standort das Gelände am
Bahrebach aus. Jetzt
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Die Projektierung unseres Freibades übernahm der V
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unter der Leitung von Bauingenieur Herrn Herbert Endesfelder. Die Projektierung übernahm der
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Betrieb im NAW unentgeltlich.
So sah der erste Entwurf unseres Traumes aus:
den jahrzehntelangen Traum der Wittgensdorfer machen. Das war 1961. Geländeregulierungen
Zunächst hieß es Baufreiheit schaffen. Wild gewachsene Bäume und Sträucher mussten Platz für
waren notwendig und die 1 Kilometer lange Wasserzuleitung wurde gebaut. Ach ja, da war das
Problem mit dem Wasser! Die Speisung des Bassins mit Trinkwasser war zur damaligen Zeit
absolut undenkbar. Das Trinkwasser reichte schon für die Versorgung der Haushalte in den
Sommermonaten nicht aus. Höher gelegene Wohnungen blieben oft ohne Wasser und Kinderfüße
abends ungewaschen (den Knirpsen hat das sicher weniger ausgemacht...)
Das Prinzip der Trinkwasserversorgung in Wittgensdorf sah damals so aus:
Wasserwerk. Von da aus wurde es durch die Druckleitung zum Hochbehälter (heute noch zu finde
im Gewerbegebiet Oberwittgensdorf) gepumpt. Das war der höchste Punkt in der Ortslage. Dann
konnte das kostbare Nass durch Fal leitungen zu den Häusern fließen. Entlee te sich der
Wassers zu wenig Druck, und so entwich aus manchem Wasserhahn in höheren Stockwerken nur
aber eben nur dann arbeiten, wenn genügend Wasser aus dem Quellschutzgebiet zufloss. Und das
Stunden leer.
Etwas entspannte sich die Lage, als die Tie brunnen auf dem Gelände der ehemaligen Färberei Ihl
gemacht wurden. Aber ein
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Was also tun? Den Bahrebach anzapfen! Der führte abe im Sommer auch weniger Wasser.
das Wasser aus dem Quellschutzgebiet floss durch Leitungen in einen großen Sammelbehälter im
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Hochbehälter, ließ der Wasserdruck
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in den Leitungen nach. Oftmals erzeugte
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das Eigengewicht des
noch ein „Röcheln“, sehr zum Verdruss der Bewohner. Die Kreisel-Pumpen im Wasserwerk konnten
war an heißen Sommertagen oft nicht der Fall. Deshalb blieb der Hochbehälter nicht selten über
(heutige Ringstraße) „wiederentdeckt“ und
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für die Trinkwasserversorgung unseres Dorfes nutzbar
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Die Lösung des Problems: der Steinbruch in der oberen
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Siedlung! Realisiert wurde
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diese Idee aber
erst ein Jahr nach der Eröffnung des Freibades. Darauf kommen wir an anderer Ste le noch einmal
zurück
1963 waren dieArbeiten soweit vorangeschritten, dass mit dem Gießen des 50-Meter- Beckens
begonnen werden konnte.
Die „Kommission Freibad-Bau“ bek agte die nachlassende Einsatzfreude der Wittgensdorfer,
insbesondere der jungen Generation,
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und richtete deshalb im Juni des Jahres einen dringenden
Appell zur Mitarbeit bei der Umsetzung des Vorhabens Freibad an die Bevölkerung:
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(Der volle Wortlaut ist in der Sonderausstellung einsehbar)
Immer wieder wurde das große Engagement der Mitglieder der „Kommission Freibad-Bau“
gewürdigt . In der Freien Presse Nr 85 /1965 heißt es dazu unter anderem:
verpflichteten Bagger und Planierraupen, fuhren auf Baustellen der Autobahn und holten
abgebaute Autobahnbegren ungen Sechs bis acht Zentner schwere Blöcke wurden auf`s Auto
dieses moderne Bad sein wird, wollen w r gern m t anfassen.“
Freibades. Stellvertretend seien hier genannt:
Herr Harzer, Herr Blum, Herr Werner, Herr Endesfelder, Herr Lück der Ortsbürgermeiste
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tt. An diesem Tag nah
Wittgensdorfer ihr Freibad nach 6-jähriger Bauzeit mit Freude in Besitz.
Wert von 500 000 MDN geschaffen
„Die Genossen Westfälinger, Ellhof und Brylka ergriffen voller Tatendrang die Initiative. Sie
gewuchtet. Die Bauarbeiter
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halfen
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bei so einer guten gemeinnützigen Sache, wie es
Auch andere Mitglieder der Kommission und Bürger des Ortes leisteten Großartiges beim Bau des
Kretzschmar, Schulklassen der Polytechnischen Oberschule, Lehrlinge
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des VEB Trikotex.......
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Das Zeil, das Freibad im Sommer 1966 zu eröffnen, wurde trotz aller Bemühungen verfehlt.
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Unterstützt mit 110 000 MDN aus
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dem Staatshaushalt und dem VEB Zahlenlotto wurde hier ein
(MDN= Mark der Deutschen Notenbank; gültige Währung der DDR von 1.08. 1964 – 31.12.1967,
danach nur noch die Bezeichnung M für Mark der DDR bis Juli 1990)
Vom Tag seiner Eröffnung an erfreute sich das Freibad Wittgensdorf großer Beliebtheit, nicht nur
bei den ortsansässigen Bürgern. Bis zu 1000 Besucher zählte das Bad an schönen Sommertagen.
Pläne für weitere Verbesserungen im Badgelände.
lange Wasserleitung wurde vom oberen Steinbruch verlegt. Diese sorgte für eine stabile
„kuschelige“ Temperatur erwärmt, leitete man es dann in das Badebassin ein.
Auch im Badgelände gab es noch Ergänzungen. 250 Pappeln wurden gepflanzt ein Ste ngarten
Das machte die Durchführung von Tanzveranstaltungen für unsere Jugend möglich. In den Jahren
Aber wie bei vielen Bauprojekten gab es auch in unserem Bad noch offene Wünsche und damit Wie
bereits erwähnt, ging man 1968 das Problem der Wasserversorgung noch einmal an. Eine 3 km
Wasserversorgung des Freibades. Das Wasser floss zunächst in ein Vorwärmbecken, auf
angelegt, eine große Freitreppe zum Bassin geschaffen (s. oberes Foto) und die
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Terrasse
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überdacht.
von 1982 bis 1987 gab es auch Freilicht-Kino im Bad. Dieses organisierte Mario Metzner, der das
„Handwerk“ des Filmvorführens noch bei unserer „Kino-Gretel“ gelernt hatte.
In den Jahren von 1975 bis 1999 wurde für die Kinder der 2. Klassen jeweils während der beiden
ersten Wochen der Sommerferien ein Schwimmlager durchgeführt. Hunderte von Kindern erlernten
so unter Anleitung von Sportlehrern das Schwimmen.
Jahre vergingen und das Bad zeigte allmählich Spuren des „Alterns“.
ImAugust 1992 öffneten sich die Pforten der renovierten „Oase“ von Wittgensdorf für die
Von 1991 bis Sommer 1992 erfuhr unser Bad eine aufwändige Sanierung. Ein lohnender Aufwand!
erstaunten Besucher.

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