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Emil Müller – 2

erschienen in: Heft 6/2017

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1926, (10/17) Wir lesen: In Wittgensdorf entsteht an der Chemnitzer Straße ein modernes,
villenartiges Gebäude aus Holz. Diese Bauweise bürgert sich jetzt mehr und mehr ein“. Leider lässt sich
der genaue Ort der Baustelle nicht ermitteln.
1926, (10/12) Der alte Gasthof „Wasserschänke“ erhält einen neuen Tanzsaal.
Wasserschänke noch OHNE SaalWasserschänke MIT neuem Tanzsaal
Ansicht Tanzsaal Wasserschänke
Quelle: Sammlung Heimatstube (3x)
In seiner Nähe ist das Naturbad Röhrsdorf angelegt worden. Das ehem. Naturbad vormaliger
Steinbruch ist heute ein Privatgrundstück und liegt in unmittelbarer Nähe der Leipziger Straße an der
Wasserschänkenstraße Röhrsdorf.
1927, (3/6) Juni: 2. Pfingstfeiertag, wegen schlechtem Geschäftsgang in Mohsdorfwird die
Wittgensdorfer Kapelle wieder in der „Sonne“ verpflichtet.
Am 9. 7. 27 schwere Gewitter und Überschwemmungen in Sachsen. Auch Murschnitz ist stark
betroffen. Müller muss, um in Wittgensdorf Musik spielen zu können, von ausgerüsteten Männern in
Murschnitz durch das Wasser getragen werden !!
1927, (3/8) November: In der Kühnhaide wurde bis zum Weltkrieg (1914) Torf gestochen. Dort
befand sich auch ein Grabhügel für einen höheren französischen Offizier aus der Zeit der
Befreiungskriege, wo von Zeit zu Zeit zwei fremde Damen Andacht hielten. Wahrscheinlich
verschwand das Grab beim Bau der Bahnstrecke Wittgensdorf Oberer Bahnhof nach Oberfrohna, der
Stein kam auf den Wittgensdorfer Schulhof. (vergl. hierzu Teil 1, 1813, (7/24)
1928, (10/26) + (10/27) Der jetzige Nordplatz in Wittgensdorf war ein mit Pappeln umstandener Teich
(„Böhm`s Teich“ Wasserreservoir für die Bleicherei Böhme, Obere Hauptstraße 53), später durch
Auffüllen ein freier Platz, mit Bäumen und Brunnen verschönt. Die nachstehende Postkarte zeigt uns den
noch freien Platz ohne die jetzt vorhandenen Stattlichen Bäume. Von Rechts sind zu sehen:
Schornstein der Bleicherei Böhme, davor die Bäckerei Schimmel noch ohne den später erfolgten
Ladenanbau, daneben das Haus des Fahrradmechanikers Dittmann, dahinter der Gasthof "Sonne"
dann das Gebäude des Schmiedemeisters Franke, (Nordplatz 10), darüber das Dach der Textilfabrik
Fischbach. Das nebenstehende kleine Haus ist heute Nordplatz 9 und daneben angeschnitten das
Haus Nordplatz 8. In diesem Grundstück betrieb Herr Gustav Riedel von 1932 bis 1939 die
Riedelsche Strumpffabrik, die bereits 1935 als sehr leistungsfähig registriert wurde.
Eine weitere Eintragung aus 1928 beschäftigt sich mit dem bekannten Wittgensdorfer Bürger Franz
Wiedemann. E. Müller schreibt: F. W., 1821 in Wittgensdorf geboren und 1884 in Dresden gestorben, war
erst Strumpfwirker, dann Schulmann und Schriftsteller, Heimatdichter und Verfasser vieler
Jugendbücher.
Vaterhaus von F. Wiedemann
Franz Wiedemann
Quelle: Broschüre "700 Jahre Wittgensdorf" 2x
Standort: Hinter jetziger Freifläche,
ehemals Gasthaus "Sonne"
Sein Buch „Lehrer der Kleinen“ ist in Wien prämiert worden. Bekannt wurde er auch durch sein, in
vielen alten Schullesebüchern enthaltenes Gedicht „Mein Vaterhaus“
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In (10/26) lesen wir noch: Am Rittergut zu Wittgensdorf zog sich auch einst der sogenannte
Kirchmühlenteich hin, wo heute ein Baugeschäft (heute Getränkehandel) und Wohnhäuser ( Obere
Hauptstraße 13 – 17) sind, auch in der ehemaligen Kirchmühle mit eigenartiger Bauart.
Der Konsumverein Chemnitz und Umgebung richtet in Garnsdorf und Wittgensdorf(am
Rathausplatz) je ein prachtvolles Konsumvereinsgebäude in prunkvoller Weise ein.
„Mittelkonsum“ abgerissen Ende der 1990er Jahre
Quelle: Sammlung Heimatstube
1929, (2/24) E. Müller schreibt in seinem Aufsatz: Alte Bäume als Wahrzeichen der Heimat“ über
herausragende, alte Bäume. Wir lesen u.a.: Eine einsame Linde stand einst auf dem nordwestlichen
Höhenzug von Wittgensdorf. Ältere Leser (zu E. Müllers Zeiten 1929) werden sich ihrer noch erinnern und
den Baum unter „Polsters Linde“ kennen. auch grünen noch die alten Linden der ehemaligen
Bahrmühle in Wittgensdorf. Außer den hier aufgezählten Linden haben unsere Väter noch andere
Erinnerungsbäume hinterlassen. Dazu gehörte die einst auf der Höhe unweit der Röhrsdorfer Straße
sich stolz erhebende Wittgensdorfer Hofeiche, welche seinerzeit von Sachverständigen auf ein Alter von
400 (?) Jahren geschätzt wurde. Der gewaltige Baum stand nicht allein, sondern war umgeben von
einigen , ebenfalls alten Lärchen und das ganze bildete eine kleine Anlage. Die Bedeutung der
Hofeiche ist umstritten, während einige glauben, der Baum bezeichne einenehemaligen
Gerichtsort, nehmen andere an, dass die Eiche als Friedenseiche 1648 gepflanzt sei. Der Ortsrichter
Müller in Wittgensdorf versicherte mir, dass über den fraglichen Baum nichts Genaues bekannt sei. Die
Anlage aber sei, daran könne er sich noch erinnern, von Rittergutsbesitzer Albanus eingerichtet worden.
Leider ist die Hofeiche vor einer Reihe von Jahren der Axt zum Opfer gefallen. Das Rittergut Wittgensdorf
besitzt noch eine uralte Akazie, die vielleicht mit der ehemaligen Hofeiche gleichen Alters ist.
Alte Akazie, Standort: Ungefähr heutiger Abzweig Bräuteichweg / Rudolf-Harlass-Straße
Quelle: Sammlung Esche
1930, (11/11) September Das sogenannte Kappellengut in Herrenhaide war früher Vorwerk des
Thalheimschen Gutes in Göppersdorf und stand an der Stelle der Kapelle zum Heiligen Kreuz, wo jetzt
nur noch eine Pappel steht.
Quelle: Isolde Korb, Herrenhaide Einst und Jetzt, Schnelldruck Berger, Burgstädt, 1997 (2x)
1931, (11/14) Januar Frau Oberlehrer Schuhmann in Wittgensdorf ist gestorben. Sie war die Tochter des
Auerswalder Müllers Löbel und war durch ihre Fährmannsdienste beliebt: Wer nicht durch die Furt
waten wollte, wurde von ihr mit dem Kahn übers Mühlenwehr gefahren.
1931, (11/16) Am 10. 5. 1931 brennt in der Nacht die Feldscheune des Wittgensdorfer Rittergutes ab.
1931, (11/17) Die in der Nähe der Hermsdorfschen Färberei in Nieder-Wittgensdorf gelegene kleine
Gastwirtschaft ist das einstige Waldläuferhaus des Wittgensdorfer Rittergutes gewesen, heute
Bestandteil des Hermsdorfschen Besitzes.
1932, (11/22) Der Wittgensdorfer Totengräber verübte Selbstmord in einem Wasserloch des
Sanderschen Steinbruches. Er hatte Eisenstücke in den Taschen und blieb 5 Wochen
verschwunden. Eine in dem alten Spinnereigebäude wohnende Frau Winkler, geb. Liebers endete ihr
Leben im Chemnitzfluss.
1933, (12/4) Die Firma Louis Hermsdorf, Färberei in Wittgensdorf, ist in Zahlungsschwierigkeiten
gekommen und bietet einen Vergleich an mit 60%iger Gläubigerabfindung.
1935, (12/17) Am 4. Mai ist ein Knabe, der Familie einziges Kind , in Unter-Wittgensdorf in die
Chemnitz gefallen und verschwunden geblieben, bis man ihn nach 10 Tagen an der Bahnhofsbrücke
Auerswalde- Köthensdorf fand.
1935, (4/11) Juli Der Komplex der Hermsdorfschen Färberei soll abgerissen werden. Vom Material
soll eine Siedlung von 100 Häusern entstehen.
Beim Gastwirt und Materialwarenhändler Max Speck ereignet sich im nur 2 m hohen Hinterhaus ein
tödlicher Unfall durch Schädelbruch, ein Wittgensdorfer Zimmermann Naumann stürzte ab.

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